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Guillain-Barré-Syndrom (GBS)


Das Guillain-Barré-Syndrom ist eine akut bis subakut verlaufende neurologische Erkrankung, die innerhalb von Tagen zu progredienten generalisierten Paresen (fortschreitende, fast alle Muskeln betreffende Lähmung) führt. Als Ursache wird eine immunvermittelte Schädigung der peripheren Nerven angenommen. Die Schädigung der Nerven führt zu einer Verlangsamung bzw. kompletten Unterbrechung der Nervenleitung und damit zu einer Unterbrechung der Nervenimpulse auf den Muskel.

Guillain-Barré-Syndrom: Diagnostik 

Die Diagnostik beim Guillain-Barré-Syndrom sowie die spezifische Therapie erfolgt in neurologischen Akutkliniken, wo in aller Regel schon, soweit der Patient belastbar ist, rehabilitative Behandlungen eingesetzt werden. 2 - 4 Wochen nach Krankheitsbeginn ist bei den überwiegenden Fällen das Krankheitsplateau mit maximal ausgeprägten Symptomen erreicht.

Die Erholungsphase beim Guillain-Barré-Syndrom beginnt etwa 4 - 6 Wochen nach Beginn der neurologischen Symptome. Diese Remissionsphase hat einen variierenden Zeitverlauf. Nach dem Erreichen der Plateauphase, in der sich die Paresen nicht weiter verschlechtern und die langsame Rückbildungsphase der Ausfallerscheinungen einsetzt, beginnt die Frührehabilitation.

Neurologische Frührehabilitation des Guillain-Barré-Syndrom

15 - 30% der Patienten mit einem akutem Guillain-Barré-Syndrom werden im Zuge der aufsteigenden Lähmungen komplett bewegungsunfähig. Bei einem Teil der Betroffenen entwickeln sich zusätzlich Lähmungen der Hirnnerven, die die Kau-, Stimm-, Schluck- und mimische Muskulatur wie auch die Augenmuskeln betreffen können (Miller-Fischer-Syndrom). Auch eine Lähmung der Atemmuskulatur mit Ateminsuffizienz und Beatmungspflicht kann auftreten.  

Für diese schwerst betroffenen Patienten stehen in einigen Rehabilitationskliniken Intensivstationen mit Beatmungsmöglichkeiten zur Verfügung, sowie ein multiprofessionelles interdisziplinäres Behandlungsteam, das den Prozess der Remission fördert und unterstützt. Zu den Maßnahmen der Frühreha-Intensiveinheiten gehören die Überwachung der Atmung sowie das Handling der Trachealkanüle bzw. die maschinelle Beatmung. Weiter die Überwachung der autonomen Funktionen, der Herzfrequenz, des Blutdruckes und der Ausscheidung. Es erfolgen spezielle Lagerungen zur Verhinderung von Dekubitalulcerationen (Druckgeschwüren), die Thromboseprophylaxe sowie die spezifischen medizinischen Maßnahmen zur Verhinderung und Behandlung von Sekundärerkrankungen. Die Ernährung erfolgt in aller Regel über eine PEG-Sonde (Ernährungssonde, die über die Bauchdecke in den Magen gelegt wird). 

Schmerzzustände und sensible Missempfindungen, die der Patient infolge der Sprechunfähigkeit noch nicht äußern kann, dürfen nicht unterschätzt werden und müssen geduldig erfragt und behandelt werden. Auch Angstzustände oder Wachtraumsequenzen, die manchmal irritierend realistisch sein können, dürfen nicht außer Acht gelassen werden. 

Die motorische Rehabilitation beim Guillain-Barré-Syndrom durch Physio- und Ergotherapeuten beginnt sehr früh unter Berücksichtigung der Belastbarkeit des Patienten. Zunächst erfolgt diese in der Regel passiv. Frühzeitig erfolgt die Mobilisierung in den Lagerungsrollstuhl und im Stehbett. Die passive Mobilisation der Gelenke wird durch balneopysikalische Maßnahmen unterstützt, ebenso wie durch das Anpassen und Anlegen von Lagerungsschienen. Bei Kontrakturen (Verkürzungen von Muskeln, Sehnen und Bändern) werden auch redressierende Kunststoffschienen eingesetzt, um Fehlstellungen entgegenzuwirken. Auch der Einsatz von Motomed-Geräten (z.B. passive Radfahrbewegungen) ist möglich. Dies alles erfolgt auch dann, wenn der Patient noch maschinell beatmet werden muss.

Das Weaning (schrittweise Entwöhnen) vom Beatmungsgerät ist ebenfalls Aufgabe des Behandlungsteams. So kann es auch bei langsamer Rückbildung der Lähmungen der Atemmuskulatur notwendig werden, den Patienten vorwiegend noch nachts zu beatmen, so dass eine Anpassung auf ein Heimbeatmungsgerät vorgenommen wird.

Da bei schwerst betroffenen Patienten mit Guillain-Barré-Syndrom die Mund- und Schlundmuskulatur (Schlucken, Sprechen) ebenfalls mitbetroffen ist und die zusätzliche Notwendigkeit einer maschinellen Beatmung über eine Trachealkanüle besteht, benötigt der Patient neben Atemtherapie, Atem-Stimmkopplungsübungen auch Schlucktherapie und Sprechtherapie.

Im Zuge der Rückbildung kann dann der Einsatz von Sprechkanülen erwogen werden um einerseits die Stimmbildung und Sprechmotorik zu fördern, andererseits die Möglichkeit der Speichel- und Schleimabsaugung noch zu gewährleisten.

Die psychologische Unterstützung des Patienten und realistische Krankheitsaufklärung durch die professionellen Behandler, genauso wie die Unterstützung durch die Angehörigen ist unerlässlich, um die manchmal langandauernde Phase der Kommunikationslosigkeit, der Hilflosigkeit und Unsicherheit sowie die Abhängigkeit von Mensch und Maschinen zu überstehen. 

Guillain-Barré-Syndrom: Weiterführende Rehabilitation

Sind die Lähmungen soweit zurückgebildet, dass der Patient teilweise seine Muskeln wieder bewegen kann, erfolgen die weiteren aktiven Therapien, die in Abhängigkeit der Problemstellung eingesetzt werden. Entscheidend ist dabei die wiederholte Überprüfung der Paresegrade (Muskelkraft), der Gelenkkontrakturen bzw. Gelenkinstabilitäten (Gelenkbeweglichkeit) und der sensiblen Wahrnehmungseinschränkungen (z.B. Gefühllosigkeit der Hände und Füße), da alle drei Elemente wesentlich für eine funktionsgerechte Motorik sind.

Passive, teils unterstützte, teils aktive vom Patienten ausgeübte Bewegungen fördern die Aktivität der aussprossenden Nervenzellen und verbessern die Regeneration, so dass der Spontanverlauf nicht nur unterstützt, sondern die Remission gezielt angeregt wird.

Zum Einsatz beim Guillain-Barré-Syndrom kommen verschiedene Methoden aus der Physio- und Ergotherapie. Neben motorisch-funktionellen Behandlungen kommen Therapien im Wasser (Halliwick, Mc Millan), Therapien zur Verbesserung der Wahrnehmung und Anbahnung aktiver Bewegungsketten zur Anwendung. Auch die funktionelle Elektrostimulation, die Lokomotionstherapie im Gangtrainer oder Laufband sowie die passagere Nutzung von Orthesen sowie begleitende Physikalische Maßnahmen werden in der individuellen Therapieplanung zur Anwendung kommen. Im Zuge der Wiedererlangung der körperlichen Kräfte sind neben den „rein somatischen“ Therapien auch Rekreationstherapien angezeigt. Auch muss dem Patienten die Möglichkeit gegeben werden, seine Erfahrungen mit der Erkrankung anzusprechen und zu bewältigen. Selbsthilfegruppen bieten hier gute Möglichkeiten. Das wieder Fuß fassen im familiären und sozialen Umfeld, sowie später im Arbeitsprozess und das Wiedererlangen der selbstbestimmten Lebensgestaltung ist zu unterstützen.

Die meisten Patienten mit Guillain-Barré-Syndrom werden trotz eventuell bestehender Einschränkungen die Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit ihres Lebensplanung, ihre Arbeitsfähigkeit und ihre Anteilnahme am gesellschaftlichen Leben wiedererlangen. 

Dr. med. E. Garms
Fachärztin für Neurologie

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Aktualisiert: Juni 2010

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