Dysphagie
Die
beteiligten Strukturen am Schluckakt sind vielfältig. Während der
Nahrungsaufnahme sind im Rahmen der oralen Phase (Vorbereitung und
Transport von Nahrung oder Flüssigkeit in der Mundhöhle) sowie der
pharyngealen Phase (im Schlund) etwa 50 überwiegend gepaarte
Schluckmuskel aktiv. Das räumlich zeitliche Zusammenspiel dieser
Muskeln wird von verschiedenen Hirnzentren, vorwiegend im Großhirn
sowie im Hirnstammbereich (swallowing centers) kontrolliert. Die
neurogen bedingte
Dysphagie kann durch Schädigung des
Großhirns, der herabsteigenden Fasersysteme, der Hirnnervenkerne, der
peripheren Nerven sowie der neuromuskulären Übergangsregion (präsynaptisch,
postsynaptisch) bedingt sein.
Aufgrund
des Risikos der mit der Dysphagie verbundenen möglichen
Aspiration und der daraus resultierenden Gefahr der Bronchopneumonie
(Lungenentzündung) muss der Dysphagie unbedingt eine hohe
Bedeutung hinsichtlich der Diagnostik sowie der Therapie im Verlauf von
neurologischen Erkrankungen beigemessen werden.
Eine
Dysphagie
hat nach eingehender Diagnostik von Art und Ausprägung der Störung
durch gezielte logopädische Behandlung eine gute Möglichkeit der
Restitution
(=
Wiederherstellung).
Der Grund dieser Besserungsmöglichkeit besteht in der kortikalen
Plastizität. Zahlreiche Zentren im Großhirn und im Bereich des
Hirnstamms, die das Schlucken kontrollieren, konnten in den letzten
Jahren durch die funktionelle Kernspintomographie (MRT) nachgewiesen
werden. Inzwischen ist in Teilen nachvollziehbar, wie sich bei Ausfall
eines Zentrums andere Hirnregionen vergrößern und somit die Funktion
des ausgefallenen Zentrums zumindest teilweise ersetzen können.
Insbesondere
bei umschriebenen Schlaganfällen (z.B. im Versorgungsgebiet der Arteria
cerebri media,
Bis
zum Zeitpunkt der Besserung der Dysphagie ist es wichtig,
Komplikationen – vor allem eine Aspirationspneumonie (Lungenentzündung
durch Verschlucken von Speise oder Flüssigkeiten) – zu vermeiden.
Dysphagie: Diagnostische Methoden
Folgende
diagnostische Methoden stehen zur Erkennung von der neurologisch bedingten
Dysphagie zur Verfügung und lassen sich entsprechend den
Qualitätskriterien von Fachgesellschaften für die Diagnostik und
Therapie einer neurogenen
Dsyphagie graduieren:
Dysphagie:
Therapeutische
Methoden
Nach
erfolgter diagnostischer Darstellung des individuellen Störungsbildes können
durch logopädische Behandlung gezielte Therapien (z.B. Behandlung der
gestörten Zungenbeweglichkeit, Regulierung der Sensibilität des
Rachenrings, Beeinflussung der Geschmackswahrnehmung) durchgeführt
werden. Behandlungskonzepte wie fazioorale Therapie (nach Kay Coombes)
oder orofaziale Regulationstherapie nach Castillo-Morales oder das
Erlernen bestimmter Vorgehensweisen zum Wiedererlernen des sicheren
Schluckens wie Mendelson-Manöver, supraglottisches Schlucken,
super-supraglottisches Schlucken werden durchgeführt. Des weiteren können
im Rahmen von adaptiven Verfahren diätetische Anpassungen der
Nahrungskonsistenzen durchgeführt werden. In manchen Fällen kann durch
Pürieren der Nahrung (bei Problemen mit dem Kauen oder dem
Nahrungstransport im Mund) oder durch Andickungsmittel (bei einer durch
Flüssigkeiten ausgelösten Schluckstörung) eine Lungenentzündung
durch Verschlucken vermieden werden.
Viele
Patienten mit einer Dysphagie haben so ausgeprägte Probleme, dass bei
dem Versuch der normalen Ernährung eine Aspirationspneumonie
(Lungenentzündung) entstehen würde. Häufig weisen in dieser
Krankheitsphase Fieber, Entzündungszeichen im Blut, Husten, teilweise
mit Nahrungsbestandteilen im Auswurf oder allgemeine Hinfälligkeit auf
die eingetretene Komplikation hin. Viele Patienten mit einer Dysphagie
sind auf eine zumindest vorübergehende Ernährung mit einer transnasalen (durch die Nase gelegten) Magensonde versorgt. Da diese
Sonde selbst den Schluckakt beeinträchtigen kann und z.T. zu Störungen
der Sensibilität im Rachenbereich und noch zu anderen Problemen führt,
wird bei absehbar längerer Zeitdauer der Behandlung der Dysphagie eine PEG (perkutane Gastrostomiesonde) angelegt. Dieses vergleichbar
mit einer Magenspiegelung durchgeführte Verfahren mit
Sondenanlage durch die Bauchdecke ist in der Hand des geübten Fachmanns
risikoarm. Da sich der Zugang zum Magen unter der Kleidung verbirgt ist
dieser Zugang auch im sozialen Kontakt nicht belastend.
Bei
besonders schweren Fällen der Dysphagie muss eine Tracheotomie
(Luftröhrenschnitt mit eingesetzter Kanüle) vom Hals-Nasen-Ohren-Arzt
durchgeführt werden.
Bei
der von erfahrenen Logopäden durchgeführten Behandlung wird nach
entsprechenden Fortschritten erneut eine endoskopische
Kontrolluntersuchung (FEES) durchgeführt, um die nächste Stufe der
sicheren Ernährung festzulegen. Oft
kann schließlich auch z.B. der Zeitpunkt der Entfernung einer
transnasalen Magensonde oder PEG getroffen werden. Die Untersuchung
erfolgt regelmäßig gemeinsam mit dem Arzt und der behandelnden Logopädin.
Dysphagie: Perspektive
Das
Resultat (Outcome) der Behandlung der Dysphagie nach
funktioneller Schlucktherapie einschließlich kompensatorischer
Verfahren kann bei fachgerechter Diagnostik und gezielter Behandlung
insbesondere nach akut aufgetretenen
Hirnschäden wie Schlaganfall,
Zustand nach Hirntumoroperation, Schädel-Hirn-Trauma etc. als günstig
angesehen werden. So können nach etwa 3 Monate dauernder
Behandlung etwa 65 % der anfänglich vollständig über eine PEG
ernährten Patienten nach der Therapie wieder vollständig oral ernährt
werden. Eine für die Lebensqualität so wichtige wenigstens teilweise
normale Ernährung ist in noch höherem Prozentsatz erreichbar (die übrige
Ernährung erfolgt dann über eine Magensonde).
Auch
mehrere Jahre nach einer erlittenen Hirnschädigung, die zu
einer Dysphagie geführt hat (wie Unfall, Schlaganfall etc.) ist durch
qualifizierte Untersuchung und gezielte Behandlung eine vollständige
normale Ernährung bei bis zu diesem Zeitpunkt mit Sondenkost versorgten
Patienten erreichbar.
Im
Rahmen der bestehenden kassenärztlichen Ermächtigung können ambulante
Befundkontrollen bei entlassenen Patienten durchgeführt werden.
Dr.
med. Hansal
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